
Fest, fester, am festesten ...
In der Zahnmedizin gibt es kein einziges Material, das alle Voraussetzungen für eine perfekte Restauration erfüllt. Jede Restauration stellt in ihrem Kontext ganz eigene Anforderungen. Dazu gehört auch die Festigkeit – aber nicht immer ist das festeste Material auch das geeignetste. Die Wahl des optimalen Materials hängt immer auch davon ab, wie hoch die zu erwartende Krafteinwirkung ist.
Bild: Aus dem Initial LRF Block gefräste Teilkronen.

Mindestanforderungen an die Festigkeit nach Indikation gemäß ISO 6872
Internationale Normen
Die ISO 6872 für keramische Werkstoffe ist eine sehr wichtige Norm für die restaurative Zahnmedizin. Diese Norm gibt Hinweise auf die erforderlichen Eigenschaften eines keramischen Restaurationsmaterials, wie z. B. Biegefestigkeit und Bruchzähigkeit, und wird von wichtigen zahnärztlichen Verbänden in der ganzen Welt unterstützt (Tabelle 1).

Biegefestigkeit und Bruchzähigkeit
Eine wohlüberlegte Entscheidung kann man nur treffen, wenn man die Eigenschaften des Materials kennt. Beim Thema Haltbarkeit werden traditionell Biegefestigkeit und Bruchzähigkeit als ausschlaggebende Eigenschaften herangezogen.
Die Biegefestigkeit wird an fehlerfreien polierten Materialproben ermittelt. Sie bezeichnet die einem Material innewohnende Festigkeit in unbeschädigtem Zustand.
Die Bruchzähigkeit hingegen wird an Proben mit einem absichtlich induzierten, standardisierten Riss ermittelt. Sie spiegelt die Schadenstoleranz eines Materials wider.
Bild: Versuchsaufbauten für Biegefestigkeit (oben) und Bruchzähigkeit (unten).
Festigkeit: Welchen Einfluss hat sie auf die Art der Befestigung?
Eine adhäsive Befestigung wird bei Vollkeramikkronen mit besseren klinischen Ergebnissen in Verbindung gebracht. Laborstudien haben gezeigt, dass ein dünner Auftrag eines adhäsiven Befestigungsmaterials die Biegefestigkeit vollkeramischer Kronenmaterialien deutlich erhöht. Es wurden mehrere Theorien aufgestellt, um diesen Effekt zu erklären, z. B. mit dem Auftreten von Spannungen beim Schließen von Rissen, mit potenziellen „Heilungseffekten“ bei intrinsischen Fehlern und mit der Bildung einer Hybridschicht, die die Spannungsverteilung um kritische Fehler herum verändert. Aber welcher Mechanimus genau dahintersteckt, darüber wird immer noch spekuliert.
- Materialien hoher Festigkeit und Zähigkeit können konventionell (z.B. mit FujiCEM Evolve) zementiert werden, wenn die Retentions- und Resistenzform ausreichend ist.
- Materialien mit einer Biegefestigkeit unter 300 MPa sollten immer adhäsiv befestigt werden (z.B. mit G-CEM ONE).



Zementierung einer Zirkonoxidkrone mit FujiCEM Evolve.
Festigkeit ist zwar die wichtigste Anforderung an ein Restaurationsmaterial, aber es spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Nur eine genaue Analyse der bestehenden Anforderungen kann zu einer optimalen Auswahl führen.
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- International Organization for Standardization. ISO 6872:2015 Dentistry – Ceramic materials https://www.iso.org/standard/59936.html
- Burke FJ, Fleming GJ, Nathanson D, Marquis PM. Are adhesive technologies needed to support ceramics? An assessment of the current evidence. J Adhes Dent. 2002;4(1):7-22.
- Fleming GJ, Addison O. Adhesive Cementation and the Strengthening of All-Ceramic Dental Restorations. J Adhes Sci Technol 2009; 23(7-8):945-959.